Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 15.10.2026, 14.00 Uhr
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  • Monotheismus-Debatte im Perlentaucher: Angestoßen von Jan Assmann. Mit Beiträgen von Klaus Müller, Peter Sloterdijk und anderen
  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
  • Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
  • Der dänische Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
  • Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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Perlentaucher Archiv

Sortiert nach Datum | Rubriken

Donnerstag, 01.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Es sei eine unangenehme Situation gewesen

01.10.2026 Die Islamdebatte steckt in einer Sackgasse, meint in der Zeit Saba-Nur Cheema, progressive Muslime werden im Stich gelassen. Ebenfalls in der Zeit wirft der israelische Journalist Shlomi Eldar Benjamin Netanjahu vor, alle Warnungen vor einem Attentat der Hamas ignoriert und alle Friedensbemühungen, die die Geiseln gerettet hätten, torpediert zu haben. Wenn die Deutschen über Russland sprechen, sprechen sie fast immer über sich selbst, meint im Interview mit der FAZ die Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse. Und: Es wird munter weiter über die Linke in Berlin debattiert.

Efeu - Die Kulturrundschau

Epistemischer Hohlraum

01.10.2026 Die Feuilletons diskutieren über die umstrittene Doku "NAZA" von Yuval Abraham und Rachel Szor: Der FAZ fehlt eine kritische Einordnung, die Welt findet ihn zynisch, die Zeit lässt Eva Menasse und Philipp Peyman Engel darüber streiten. FR und FAZ staunen in der Frankfurter Schirn über Anna Hulačovás ökofeministische Kunst, die in Kollaboration mit Bienen entstand. In der taz fragt der Schriftsteller Clemens Böckmann, warum keine Wenderomane aus westdeutscher Perspektive geschrieben werden. 

Bücherschau des Tages

Dazu nickt der Wackeldackel

01.10.2026 Die FR muss etwas schlucken, ob des Zynismus, aber Kerstin Preiwuß' Gedichtband "Rodeo" imponiert ihr als makabre Abrechnung mit einer allgemeinen Abstumpfung angesichts von Krieg und Gewalt "einmal Südhalbkugel einmal Nordhalbkugel". Die Zeit fragt sich, warum so viele Leser Dörte Hansens Romane über "traurige Figuren auf traurigen Bauernhöfen" lieben: Weil Resignation auch was Tröstliches hat? Es fehlt ihnen halt "der Wille, etwas an der objektiven Fatalität zu ändern", würde Adorno sagen, der sich in "Aberglaube aus zweiter Hand" dem Zeitungshoroskop widmet.

Freitag, 02.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Hand in Hand mit den netten Nerds

02.10.2026 Nicht nur ist morgen Nationalfeiertag und darum frei - nächste Woche beginnt auch noch die Buchmesse. Die Zeitungen platzen förmlich und bringen Freitagsausgabe, Samstagsausgabe und Buchmessenbeilagen auf einmal. Jetzt müssen wir nur noch die Krise des Lesens bewältigen, so die SZ. Für die FAZ hat Stephan Malinoski jedenfalls schon Mal 3.000 Seiten Hannah Arendt über Totalitarismus bewältigt. Und das Leben geht weiter: In der SZ erzählt Lea Streisand, wie sie von links und rechts bedroht wird. Und in NZZ und Zeit warnen Giuliano da Empoli und Timnit Gebru vor den Tech Bros und ihrer KI.

Efeu - Die Kulturrundschau

Herzlichen Glückwunsch dazu, Vaterland

02.10.2026 FAS und Welt bemerken eine schleichende Isolation jüdischer und israelischer Stimmen in den Buchverlagen. In der FAZ ruft der tschechische Lyriker Petr Hruška uns ermunternd zu: "Lyrik ist eine erregende Art, die Welt nicht zu verstehen." Die taz staunt über einen Pop, der Antisemitismus in Gute-Laune-Beats verpackt. Die SZ trifft den Musiker Danger Dan, der sich mittlerweile vor Antisemiten verstecken muss. Die Welt fragt sich, wie abstrakte Kunst zum Wohlfühlmittel für alle werden konnte. Der Filmdienst feiert Doris Dörrie.

Bücherschau des Tages

Die Stimme eines Niemands in der Welt

02.10.2026 Der Dlf empfiehlt wärmstens Selim Özdogans Roman "Ihr kriegt uns hier nicht raus" über eine kurdisch-alevitischen Gastarbeiterfamilie in Köln Anfang der 80er Jahre. Die FAZ versucht mit zwölf Autoren die tschechische Welt "Jenseits von Prag" zu erkunden, scheitert jedoch. Mit deutlich mehr Erfolg lernt die FR mit Tash Aws findigem Roman "Der Süden" von den gesellschaflichen Spannungen in Malaysien. Die NZZ folgt hingerissen der Autobiografie Sylvester Stallones bis zu dessen Duchbruch als Rocky. Die taz kurvt um Dana Vowinckels "Anton und Alma", weiß aber nicht, wo sie andocken soll. Erste Notizen zur FAZ-Literaturbeilage finden Sie hier, darunter zum Aufmacher, der Lutz Seilers "Das tickende Herz" gewidmet ist.

Montag, 05.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Alles andere als verdruckst

05.10.2026 Die taz besucht Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt - dort wartet man bang auf die kommende AfD-Regierung. Wolf Biermann in Zeit online und Klaus Lederer in progressive-linke.de setzen sich mit dem Versagen der Linken vor der eigenen Geschichte auseinander. taz und Guardian erzählen, wie Linkspartei und Green Party unter Einfluss gerieten. In Zeit online bekennt Anne Rabe ihr Entsetzen vor dem Kabarettisten Uwe Steimle. In der Welt erinnert der kurdische Historiker Hamit Bozarslan daran, dass Revolutionen nicht immer links sind. 

Efeu - Die Kulturrundschau

Es stürzen die Bücher, es fallen die Bilderrahmen

05.10.2026 Soll man Filme nachträglich bearbeiten, diskutiert die Deutsche Kinemathek im Anschluss an die Debatte um Wim Wenders und Nastassja Kinski. Die SZ erzählt, wie die Tech Bros unliebsame Filme bekämpfen. Die tschechische Kunstszene sieht sich Gefahren von rechts ausgesetzt, weiß Monopol. Der ukrainische Städtebau setzt wegen der vielen Kriegsverletzten auf Barrierefreiheit, weiß die FAZ. Für die Welt würden KI-geschriebene Bücher der Literatur ihre Grundlage als raum- und zeitüberdauerndes Gespräch entziehen.

Bücherschau des Tages

Von Pilzen und Putztechniken

05.10.2026 Die NZZ lässt sich Emmanuel Carrères Familiengeschichte als Panoptikum des 20. Jahrhunderts erzählen. Die FAZ geht mit den jungen Helden aus Belinda Bauers Krimi auf Jagd nach den seltenen Eiern der Trottellumme. Mit Jess Walter konstatiert sie die tiefen Brüche in der amerikanischen Gesellschaft. Die taz empfiehlt historische Berlin-Krimis von Horst Evers und Anne Stern. Die SZ sieht in Sylvester Stallones Biografie ein gutes Gegenmittel zur selbstoptimierenden Manosphere. Und die Welt versucht mit Manuel Bittorf im Berliner Westen heimisch zu werden. 

Dienstag, 06.10.2026

Magazinrundschau

Überfluss an unverbrauchter Zeit

06.10.2026 Am 90. Jahrestag der Schlacht in der Cable Street offenbarte sich der endgültige Bruch der Allianz zwischen Linken und Juden, notiert Times of Israel. In Eurozine träumen Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie von einem Dienstjahr für alle jungen europäischen Frauen und Männer. Der Guardian berichtet von Morden an Menschen mit Albinismus in Madagaskar, deren Augen besonders begehrt sind. Seit mehr als hundert Jahren wird der Untergang des Abendlandes beschworen, beruhigt in HVG der ungarische Historiker Balázs Ablonczy.

9punkt - Die Debattenrundschau

Unterschiedliche Toleranzen

06.10.2026 Die taz stellt jeden einzelnen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt vor - es ist wahrlich ein finstres Häuflein. In der FAZ polemisiert Jürgen Kaube gegen Ronen Steinke: Nein, die "Rote Hilfe" ist kein harmloser Rechtshilfeverein. Ebendort denkt Souad Mekhennet über den 7. Oktober nach. In der FR erklärt der designierte Friedenspreisträger Philippe Sands, warum er sich nicht zum Völkermord-Vorwurf gegen Israel äußern wird. 

Efeu - Die Kulturrundschau

An Schönheiten herrschte kein Mangel

06.10.2026 Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an Shida Bazyar und ihren Roman "Die Lücken": Ihr ist eine "Neudefinition des Heimat-Romans" gelungen, jubeln Jury und Kritiker gleichermaßen. Die FAZ stellt den russischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky vor, dessen Roman "Die Registrierung" eine heftige Debatte in Russland auslöste. Die taz staunt in Magdeburg über Sean Scullys Schwarz mit gelber Vorgeschichte. Die NZZ feiert in einer Ausstellung in Weil am Rhein den Architekten Geoffrey Bawa als Pionier der tropischen Moderne. 

Bücherschau des Tages

Protagonist aus der Platte

06.10.2026 Die FAZ lässt sich von Stefan Rinke die Geschichte der amerikanischen Interventionen in Lateinamerika erzählen. Die NZZ vertieft sich beeindruckt in die Autobiografie der iranischen Frauenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi. Die SZ empfiehlt den Lebensbericht einer anderen mutigen Frau: Rosa Parks. Die taz freut sich über Hendrik Bolz' Roman "Aus Ruinen", ein Generationenpsychogramm der Millenials. 

Mittwoch, 07.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Vertrauen ins Vertraute

07.10.2026 Für die SZ unternimmt Marko Martin einen Streifzug durch die tschechische Literatur des 20. Jahrhunderts, die uns so viel für die Gegenwart lehrt. Achtung, die Influencer kommen: Backstage Classical sorgt sich mit Blick auf eine anstehende Programmreform um die Qualität der Klassik-Formate der Öffentlich-Rechtlichen. Abgründige Naturbilder mit KI-Input betrachtet die taz in einer Berliner Ausstellung; unter anderem gibt es brennende Eisberge zu bewundern. critic.de empfiehlt eine Nürnberger Retrospektive, die sich dem Regisseur Alfred Vohrer widmet - und damit einem Werk zwischen Geisterbahn und Fetischalbtraum.

9punkt - Die Debattenrundschau

Nur zwei Wochen vom Frieden entfernt

07.10.2026 Heute vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen mehr als 1.200 Israelis. Der Krieg kostete auch tausende Palästinenser ihr Leben. Dennoch ist eine Zweistaatenlösung möglich, beschwört in der taz Hamza Howidy die westlichen Staaten, die sie stärker unterstützen sollen. Wenn Ruanda es geschafft hat, dann schaffen es auch Israelis und Palästinenser, ermuntern Aziz Abu und Maoz Inon in der SZ. In der FR beklagt Carolin Emcke fehlende Solidarität mit den Palästinensern. Außerdem: Wladimir Putin hat heute Geburtstag. Die NZZ erinnert an ein Geburtstagsgeschenk vor 20 Jahren, als ihm die Leiche seiner Kritikerin Anna Politkowskaja präsentiert wurde.

Bücherschau des Tages

"O welches Stinkvolk!"

07.10.2026 Die FAZ erlebt Wolf Biermann in seinen Tagebüchern und Gedichten als ewigen Dissidenten voller Kummer, Witz und Wut. Die FR blickt mit Annette Mingels in das Innere eines silbernen Zelts, das in einer kleinstädtischen Villengegend auftaucht. Die Welt vertieft sich in H.G. Adlers Studie "Der verwaltete Mensch" über die Shoah. Dlf bekommt bei Franz-Maria Sonner einen unterhaltsamen Einblick in die Gedankenwelt Gottfried Wilhelm Leibniz'. Dlf Kultur verfolgt mit Jill Lepore den Siegeszug der Maschinen. 

Donnerstag, 08.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Emotional ausgebürgert

08.10.2026 Wo steht die CDU, will die taz nach der Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen Anhalt wissen: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Autoritären? Wo stehen SPD und die Grünen, fragt die FAZ: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Antisemiten und Demokratieverächter? In der NZZ fürchtet Monika Maron, Berlin könne zum Fanal für Köln, Dortmund oder Gelsenkirchen werden. Die Jüdische Allgemeine kann es immer noch nicht fassen, wie ein Angriff auf Juden den Antisemitismus entfesseln konnte. Daran ist Israel schuld, meint Pankaj Mishra in der SZ.

Efeu - Die Kulturrundschau

Literarische Heulsusen

08.10.2026 Die Filmkritiker erkennen in Aaron Sorkins Film "The Social Reckoning", wie unsozial die sozialen Medien eigentlich sind. In der taz darf Maxim Biller nach Herzenslust über die Gegenwartsliteratur herziehen. Die FAZ begegnet bei der wohl letzen Performance des Pferde-Choreografen Bartabas doppelköpfigen Zentauren und weißen Feen. Der Guardian entdeckt in einer Londoner Ausstellung mit Werken Robert Rymans 50 Shades of Weiß. 

Bücherschau des Tages

Tropfen von etwas Anderem

08.10.2026 Die Zeit entdeckt die surrealen Erzählungen der berühmten finnischen Poetin Eeva-Liisa Manner. SZ und Dlf reisen mit Lutz Seilers neuem Roman auf den verschlungenen Wegen einer Schamanin in die kasachische Steppe. Die NZZ sucht mit Volker Weiß und Jens Balzer nach Erlösung. Die FR blickt mit Franz Walter zurück auf das Leben des Journalisten Joachim Fest, einen konservativen Humanisten. 

Freitag, 09.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Irgendwo zwischen Himmel und Küchentisch

09.10.2026 Die Feuilletons gratulieren der kanadischen Altgräzistin und Lyrikerin Anne Carson zum Literaturnobelpreis. In der NZZ erklärt ihre Übersetzerin Marie Luise Knott den typischen Carson-Effekt: das Paradox der fernen Nähe. In ihrer von VAN dokumentierten Rede zum Auftakt des Bonner Beethoven-Festes erklärt die belarusische Dirigentin Maria Kalesnikava, wie Kultur helfen kann, sich selbst zu bewahren. Ziemlich uneins sind die Theaterkritiker über Thomas Ostermeiers Inszenierung des Broadway-Hits "Stereophonic" an der Schaubühne. Und der Perlentaucher vergnügt sich prächtig mit Na Hong-jins SF-Horrorkomödie rund um eine Monsterinvasion in Südkorea.

9punkt - Die Debattenrundschau

Aus Nützlichkeitserwägungen

09.10.2026 Ein Linksbündnis in Berlin rückt näher, das Problem mit dem Antisemitismus will man durch bürokratische Prozeduren neutralisieren - aber es bleiben viele skeptische Stimmen. Wenn die Linken nun regieren, werden sie feststellen, dass sie die Mieten nicht senken können, sagt der Neuköllner Bürger Martin Hikel im Tagesspiegel. Die Welt erzählt unterdessen, wie in Britannien die Green Party gleich zum Zentralhub für linken Antisemitismus umgepolt wurde. Die FAZ bespricht eine Rudolf-Augstein-Biografie, in der sich herausstellt, dass der Spiegel-Gründer noch mehr alte Nazis beschäftigte als bisher bekannt.

Bücherschau des Tages

Ungemütliche Ruhe

09.10.2026 Exzellent und schonungslos findet die FAZ die Augstein-Biografie der ehemaligen Spiegel-Mitarbeiter Martin Doerry und Hauke Janssen. Die FR freut sich, auch die Grüffelo-Oma kennenzulernen. Die NZZ lässt sich von Julia Trachsels Graphic Novel "Alles in allem" mitnehmen, die die Folgen eines Verkehrsunfalls verarbeitet. Der Dlf liest zwei Bücher über USA-Interventionen in Lateinamerika. Außerdem empfiehlt sie die Porträts von israelischen Aktivisten und Akademikern, Politikern, Siedlern und Säkularen der Journalistin Ruth Margalit zum besseren Verständnis Israels.

Samstag, 10.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Schön war das alles nicht

10.10.2026 Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

9punkt - Die Debattenrundschau

Schmale Grenze zwischen Ordnung und Chaos

10.10.2026 Die südafrikanische Richterin und Völkerrechtlerin Navanethem Pillay hat den Friedensnobelpreis erhalten: Ein deutlicher Hieb in Richtung Donald Trump, notiert die FAZ. Zeit Online erinnert an Pillays steile Karriere, die im Apartheids-Südafrika begann, die Welt blickt kritisch auf Pillays Israel-Kritik. Auch skrupellose Machthaber wie Putin fürchten das Völkerrecht, erklärt im SZ-Interview der Schriftsteller Philippe Sands, der außerdem in der taz die Einführung des "Ökozids" als fünftes internationales Verbrechen fordert. Die FAS blickt auf die Schülerproteste in Frankreich, die  Jean-Luc Mélenchon für seinen Wahlkampf instrumentalisiert.  

Bücherschau des Tages

Bleib ein anständiger Mensch

10.10.2026 Überwältigt reist die FR mit Christian Grataloups neustem "historischem Atlas" durchs Weltall. Bewegt und amüsiert liest die FAS, wenn Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat und Düzen Tekkal von ihren Vätern erzählen. Die FAZ vertieft sich indes in Michel Foucaults Überlegungen zu "Hermaphroditen". Die SZ vergnügt sich mit Moritz von Uslars supersensitiven Meldungen aus dem Fichtenwald. Die taz bewundert, wie zart Lucie Faulerova vom vernichtenden Schmerz nach dem Suizid einer jungen Frau erzählt. Und Dlf Kultur begibt sich mit Jaroslav Rudiš auf einen abgefahrenen Roadtrip durch die Friedhofslandschaft Europas.

Montag, 12.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Und es fängt ja immer mit Selbstzensur an

12.10.2026 Philippe Sands warf in seiner Friedenspreisrede nicht nur Israel Völkerrechtsverbrechen vor, er kritisierte auch scharf die deutsche Regierung. Die FAZ ist mit der Rede zufrieden, der Perlentaucher nicht so. Unterdessen wird weiter über den Friedensnobelpreis für Navi Pillay diskutiert - ihr werden schwere Vorwürfe in ihrem Verhalten gegenüber China und dem Völkermord an den Uiguren gemacht. Großes Aufsehen erregt die Rede der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková auf Frankfurter Buchmesse - sie hat anwesende Ehrengäste der tschechischen Regierung attackiert. Die FAZ zeichnet ein düsteres Bild der "Mathocalypse".

Efeu - Die Kulturrundschau

Einmal als Opfer, einmal als Täter

12.10.2026 Die Frankfurter Buchmesse ist zu Ende, die Feuilletons resümieren. Der Standard ärgert sich über männliche Autoren, die historische Frauenfiguren in Romanen mansplainen. Der russische Pianist Alexander Malofeev ist im Exil - die FAZ ist beeindruckt von seinem neuen Album. Die SZ geht mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" in Basel auf Höhenflug. Sie informiert auch über die NS-Vorgeschichte des Architekten Josef Kaiser. Die FAZ bestaunt in Amsterdam Zeichnungen von Willem de Kooning.

Bücherschau des Tages

Sie sind hier falsch

12.10.2026 Die FAZ erfährt von Miriam Davoudvandi in "filmreifer" Manier, wie es ist, in Armut aufzuwachsen. Die SZ macht sich mit Klaus Schichte, Hendrik Simon und Johannes Varwick Gedanken über Krieg und Frieden. Die NZZ sieht mit Maxim Biller eine neue Welle des Antisemitismus hereinbrechen. Die Welt lässt sich von Benjamin Moser nicht vom Anti-Zionismus überzeugen. 

Dienstag, 13.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Der Katzenjammer der Postexzellenz

13.10.2026 SZ und Welt warnen vor dem AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider, den jüdische Studenten am Betreten der Synagoge von Halle hinderten - Tillschneider ist ein Anhänger der antisemitischen Theorie des "großen Austauschs". Die taz berichtet aus Gambia, wo fundamentalistische Kräfte das Verbot der Genitalverstümmelung bekämpfen - die ohnehin weiter praktiziert wird. In der FR fragt Navid Kermani: Gibt es noch Gründe, in Köln zu leben? 

Efeu - Die Kulturrundschau

Rücken zu Brücken

13.10.2026 Die taz staunt über die mutige Theaterszene in Tbilissi, die der Repression durch die putintreue Kavelashvili-Regierung trotzt. Ebenfalls die taz bringt eine zornige Antwort auf Maxim Billers Forderung an die Literaturkritik, nur noch das Wahre, Gute, Schöne zu besprechen. Die Welt erinnert sich in einer Pariser Ausstellung daran, warum die amerikanische Freiheitsstatue französisch und weiblich ist. Sebastian Brameshubers Film "London" zeigt, freut sich critic.de, dass Dialog über schwere Themen auch in unserer zerstrittenen Gegenwart noch möglich ist.

Magazinrundschau

Zarte Kritzeleien

13.10.2026 Der Guardian porträtiert Scheich Tahnoun bin Zayed Al Nahyan, Chef des KI-Konzerns G42 und praktischerweise auch Geheimdienstchef der Vereinigten Arabischen Emirate. Eurozine fragt, warum die EU den serbischen Autokraten Aleksandar Vučić so herzlich hofiert. In Le Grand Continent denkt Eva Illouz über Dreyfus-Affäre und Genozidvorwurf-Affäre nach. Vanity Fair porträtiert einen der reichsten (und verschuldetsten) Vertreter des "neuen Establishments" in den USA: Larry Ellison.

Bücherschau des Tages

Wie ein giftiges Pflänzchen

13.10.2026 Die FAZ schwelgt in den schmachtenden Briefen der Malerin Baladine Klossowska an Rainer Maria Rilke. Von Rolf Steininger lässt sie sich erklären, wie man Kriege beendet. Die NZZ ist hingerissen von Valeria Gordeevs wildem Abenteuer zwischen Russland und Berlin. Die taz spendet Judith Pietrecks Kulturgeschichte des Klatschens Beifall. 

Mittwoch, 14.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Gefährlicher Präzedenzfall

14.10.2026 Die NZZ warnt vor einer "kalten Annexion" Belarus' durch Putin. Die Ukraine braucht Europas Unterstützung, insistiert Timothy Garton Ash Im Tagesspiegel. Netzpolitik fragt, warum die Behörden biometrische Gesichtsdatenbanken gewähren lassen, obwohl sie verboten sind. taz, SZ und netzpolitik sehen die Pressefreiheit in Gefahr, weil das LG Hamburg Zeit-Interviews mit den Töchtern von Christina Block beschlagnahmt hat. Nur die FAZ fragt, ob Interviews mit minderjährigen Verbrechensopfern nicht gegen den Pressekodex verstoßen. Zu Foucaults Hundertstem erscheinen laut FAZ seine Iran-Schriften in kritischer Ausgabe.

Efeu - Die Kulturrundschau

Irgendeine geheime Enthüllung

14.10.2026 Die taz blickt auf die queere Kunstszene in der Türkei, die nach Erdogans LGBTQ-Razzia in Furcht verharrt. Die FAZ freut sich über Janek Liebetruths Theaterstück "Freiheit-Simson": eine Hommage an die Simson-Schwalbe, ganz ohne Ostalgie. Geschichte der Gegenwart ärgert sich über die letzte Staffel der Serie "Babylon Berlin", die mehr Zeichen historischer Vergesslichkeit ist als Mahnung. Und die FR feiert das Comeback der Neo-Soul-Pionierin Erykah Badu.

Bücherschau des Tages

Von nibbeln bis schnorpsen

14.10.2026 Die FAZ debattiert mit Jacob Eder über die "Staatsräson". Die FR ist nicht richtig überzeugt von Juli Zehs "Pony Show". Dlf blickt mit Tatiana Țîbuleacs Heldin von einem Leben als Putzfrau auf eine glorreiche Vergangenheit in Moldawien zurück. Außerdem schnackt er mit Christine Wunnicke im Papageien-Sprech. Dlf Kultur findet bei Helga Schubert Trost in der Trauer. 

Donnerstag, 15.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Sich in die Wolken werfen

15.10.2026 Völker Schlöndorffs Adaption von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung" fällt bei den Kritikern durch: Belanglose Postkartenbilder mit viel Bevormundung, winken Filmdienst und FAZ ab. Die Zeit hat indes nichts dagegen, wenn Jan Schmidt-Garre in seinem Dokumentarfilm über Teodor Currentzis alle Kritik am putinnahen Dirigenten ausspart. SZ und Welt staunen in Dresden, wie mutig Correggio selbst religiöse Bilder erotisierte. Und die FAZ lernt in Weil am Rhein von Geoffrey Bawa, wie ökologisches Bauen gelingen kann.

9punkt - Die Debattenrundschau

Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung

15.10.2026 Die Zeit empfiehlt wärmstens die Ausstellung "Umstrittene Verwandtschaft" im DHM über koloniale und nationalsozialistische Gewalt. Die SZ überlegt, was ein Ende der Russland-Sanktionen, wie von BSW und die AfD gefordert, konkret bedeuten würde. Friedensverträge gelten in Russland nur so lange, wie sie nützlich sind, erinnert der estnische Völkerrechtler Lauri Mälksoo in der FAZ. Der Religionskritiker Hamed Abdel-Samad erklärt in der Zeit, warum er im Libanon viel freier lebt als in Deutschland. Und: NZZ, Zeit, taz und Welt schreiben zum hundertsten Geburstag Michel Foucaults.

Bücherschau des Tages

Makrelen- oder Buttermilchhimmel

15.10.2026 Die Zeit denkt mit Michel Foucault über Hermaphroditen nach, die taz liest Martin Saars und Frieder Vogelmanns Gedanken zur Aktualität Foucaults. Mutig und großartig findet die SZ, wie Thomas von Steinaecker zwei Schwestern, von denen die eine geistig behindert ist, ins Jahr 2037 begleitet. Eine wahre Entdeckung macht Dlf Kultur mit Rene Karabashs Roman „Die Bleibende“, der von Schwurjungfrauen in Albanien erzählt. Außerdem lernt Dlf Kultur von Gavin Pretor-Pinney, dass die Tropfen einer Kumuluswolke so viel wie achtzig Elefanten wiegen. 

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George Saunders. Nachtwache - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.George Saunders: Nachtwache
Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Jill 'Doll' Blaine rast im freien Fall auf die Erde zu - nicht zum ersten Mal, denn als himmlische Sterbebegleiterin gehört genau…
Florian Heinen / Jörg Noller. Das digitale Kind - Die unheimliche Verwandtschaft zwischen den neuen Medien und dem kindlichen Gehirn. C.H. Beck Verlag, München, 2026.Florian Heinen, Jörg Noller: Das digitale Kind
Für den Common Sense ist klar: Kindheit und digitale Medien vertragen sich nicht - gar nicht. Während wir selbst dem Sog unserer Lieblingsapps kaum widerstehen, debattieren…
Katrin Hörnlein. Die Schnabels - Mutter, Vater, 17 Kinder . dtv, München, 2026.Katrin Hörnlein: Die Schnabels
Die Schnabels sind als eine der größten Familien der alten Bundesrepublik ein Ausnahmephänomen. Vieles in ihrem Alltag war außergewöhnlich: Wie man fast 20 Menschen auf wenigen…
Andreas Gruber. Apocalypse Marseille - Science-Fiction Kurzgeschichten. Goldmann Verlag, München, 2026.Andreas Gruber: Apocalypse Marseille
Dreizehn atemberaubende Science-Fiction-Kurzgeschichten in attraktiver überarbeiteter Neuausgabe.Dreizehn atemberaubende Science-Fiction-Kurzgeschichten in attraktiver überarbeiteter…

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