Aus dem Tschechischen von Kristina Kallert. Als Vladislav Vančura 1925 diesen Roman über den Ersten Weltkrieg vorlegte, verstörte dessen Form seine Zeitgenossen. Doch wie anders als zerstückelt und scheinbar chaotisch war zu erzählen, was 1914 über Europa hereinbrach und alle Ordnung mit sich riss?
Die Landschaft ums Dorf Ouhrov in Böhmen hat weiter Bestand: die Moldau, die Hügel, der Wald, die Gesteine und die Erde. Was unter den Menschen Jahrhunderte Gültigkeit besaß, bricht dagegen zusammen. Die Söhne des alteingesessenen Adelsgeschlechts der Danowitz ziehen aus ihrer Heimat aus, die Bauern werden von Äckern und Vieh weggerissen. Von den böhmischen Feldern führen alle Wege auf die Schlachtfelder Galiziens. In ganz Europa stehen sich Truppen gegenüber, um einander auszulöschen. Die alte Welt geht in Galizien, in Flandern und den masurischen Sümpfen unter. Nach dieser Apokalypse steht der Anbruch einer neuen Zeit bevor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2017
Urs Heftrich lernt den Ersten Weltkrieg aus der Sicht des tschechoslowakischen Autors Vladislav Vancura kennen. Der ist für ihn etwas völlig anderes als der Blick etwa von Jaroslav Hašeks legendärer Figur des Schwejk. Darüber dass der Soldat in seinen Augen ein Mörder ist, lässt ihn der Autor nicht im Zweifel. Auch nicht darüber, dass der Krieg sprachlos macht. Nicht den Autor allerdings. Der schafft Wortkunst im besten Sinn, meint Heftrich, setzt spielfreudig Vulgarismen und Bibelsprache gegeneinander, Lyrik und Ordinäres. Wie Kristina Kallert das erstmals ins Deutsche überträgt, findet der Rezensent überdies höchst überzeugend.
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