Aufbau Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783351042936 Gebunden, 251 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. Sigrid Nunez erzählt von einer unangebrachten Teenagerliebe bis zur zweiten Chance auf Liebe für einen Therapeuten, vom Bedeutungsvollen bis zum Alltäglichen.
Rezensent Ijoma Mangold trifft sich mit Sigrid Nunez auf ein, zwei Gläschen Wein in Manhattan, wo sie unter anderem über Nunez' neuen Erzählungsband plaudern. Mangold ist entschiedener Fan ihrer Figuren, die sich eindeutigen Zuschreibungen entziehen und die Frage offenlassen, ob das, was sie tun, moralisch vertretbar ist. Da wäre zum Beispiel die Geschichte eines Psychopathen, der einen Mord als "Kunstwerk der Grausamkeit" inszenieren und damit eine große seelische Lücke füllen will, oder zwei Brüder, die sich nicht einig sind, ob man die demente Mutter mit einem Double des Schauspielers Brad Pitt, in den sie sich verliebt hat, zum Geburtstag überraschen sollte. Der Kritiker lobt, wie nuanciert die Autorin ihre Leser in die "psychologische Räume der Ambivalenz" führt und damit auch einen großen Beitrag zu genau der Literatur leistet, die sie sich wünscht: eine, die keine moralischen Urteile fällt, sondern den freien Geist der Hippies wieder heraufbeschwört. Dem Wunsch, der "Erotikphobie des Wokismus" mehr "Libertinage" entgegenzusetzen, kann sich der zufriedene Rezensent nur anschließen.
Rezensent Oliver Pfohlmann lernt Sigrid Nunez als Meisterin der Short Story kennen mit diesen Geschichten. Um die trügende Erinnerung und die Folgen der Imagination, um Vergänglichkeit und Verlust drehen sich die Storys laut Pfohlmann. Eine Studentin imaginiert das Tun einer Sex-Arbeiterin und tauscht schließlich mit ihr die Rollen, eine ältere Frau ist unsicher, inwieweit ihre Kindheit in einer dyfunktionalen Familie sie zum Opfer macht - solche und andere Stoffe kennt Pfohlmann auch aus den Romanen der Autorin. Dass Nunez ihnen auch in der Kurzprosa perfekte Wendungen und Pointen und einen unverwechselbaren Ton verleihen kann, findet Pfohlmann stark.
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