Hört man den Namen Engels, denkt man an Marx - umgekehrt ist das keineswegs so. Es wird also Zeit, den historischen Blick auf beide Denker gleichermaßen zu richten. Immerhin war Engels nicht nur Marx' wichtigster Gesprächspartner und Coautor, sondern schrieb sogar Artikel unter dessen Namen. Selbst das Kapital konnte nur erscheinen, weil Engels es aus den Manuskripten seines mitten in der Abfassung verstorbenen Freundes zusammenstellte.
Jürgen Herres erzählt von den oftmals außergewöhnlichen Umständen dieser politischen wie wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Freundschaft. Sein Buch gibt Einblicke nicht nur in die Entstehungsgeschichte des Marxismus. Es schildert darüber hinaus das bewegte Familien- und Arbeitsleben der beiden gegensätzlichen Theoretiker, das sie von Trier bzw. Wuppertal nach Paris, Brüssel, Köln, Manchester und schließlich ins London des 19. Jahrhunderts führte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.04.2018
Dass Marx ohne Engels nicht jener Marx gewesen wäre, den wir kennen, lernt Rezensent Jens Grandt in diesem, wie er findet, lesenswerten Doppelporträt des Historikers Jürgen Herres. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Freunde lernt der Kritiker hier ebenso kennen wie Beziehungen, Konflikte und Café-Kultur im belgischen Exil. Den eng verflochtenen Lebenswegen der beiden - Engels unterstütze Marx zeitweilig auch finanziell und leistete zahlreiche Vorarbeiten für Marx' Werke und Artikel - folgt der Rezensent mit Spannung und Erkenntnis. Nicht zuletzt liest Grandt hier mit großem Interesse nach, wie nach dem Scheitern der Ersten Internationale der Ton innerhalb der verschiedenen sozialistischen Strömungen zunehmend "gehässiger" wurde.
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