Aus dem Englischen von Jan Schönherr. Julia beginnt einen neuen Job als Köchin in einem paneuropäischen Restaurant. Und eine Affäre mit ihrem Chef. Nick möchte aufhören zu trinken und anfangen zu schreiben. Stattdessen zieht er zurück zu seinen Eltern. Sechs Männer sitzen in einem Konferenzraum ihre Arbeitszeit ab. Und ein Algorithmus vernetzt User mit Userin, bis ihre Verbindung wortlos abbricht. Jem Calder erzählt von Suchmaschinen- und Selbstoptimierung, von Onlinedating und Suchtverhalten, von Isolation und Gentrifizierung - von in ewiger Gegenwart gestrandeten Figuren auf der Suche nach einer passenden Lebensform. Indem er uns in ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit eintauchen lässt, zeigt Jem Calder, wie eine Literatur der Hyperkonnektivität aussehen kann.
"Kühl" und "kenntnisreich" beschreibt Jem Calder in seinem literarischen Debüt die Isolation, die Trostlosigkeit, die unbestimmte Sehnsucht seiner Generation. "Kühl" und "kenntnisreich" - das sind die Worte, die Rezensentin Manuela Reichart gleich zwei Mal benutzt, um diesen Roman zu charakterisieren. Mit denselben Worten könnte man auch ihre Kritik beschreiben, die emotional und wertend nur dort wird, wo es um Calders Erzählstil geht: Dessen ehrgeizige Neologismen erschweren der Kritikerin die Lektüre oft eher als dass sie sie bereichern. Und doch finden sich in "Belohnungssystem" immer wieder einzelne Formulierungen, die "wie Blitzlichter" unsere Gegenwart erhellen, lobt die Rezensentin beeindruckt. In dieser Hinsicht also ist Calders Debüt nicht nur kühl und kenntnisreich, sondern auch bereichernd, so könnte man schließen.
Auch Smartphones und die digitale Welt können Suchtwirkung entfalten, liest Rezensent Tom Wohlfarth mit Jem Calders Debüt: Verschiedene Erzählungen handeln davon, wie sich Handlungsspielräume immer mehr auf das Digitale verkürzen und einschränken, das betrifft auch das Datingleben gerade junger Menschen. Digitale Natives, die sich in der Welt zurechtfinden müssen, sind zwar kein ganz neues Thema, aber in Calders düsterer Kühle durchaus auf bemerkenswerte Weise geschildert, findet der Kritiker. Zwar holpert die Übersetzung technischer Begriffe an einigen wenigen Stellen, aber dennoch ist Wohlfarth schon sehr gespannt, was er von dem Autor noch alles erwarten darf.
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