Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN
9783462008661 Gebunden, 272 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Hendrik Bolz schreibt über einen jungen Mann in der Krise, über eine Ankunft in Berlin am Ende der Nullerjahre und über die scheiternde Anpassung an ein rätselhaftes Wertesystem. Ein greller und zugleich feiner Blick in eine Zeit, aus der unsere Gegenwart geworden ist. Aus Stralsund nach Zehlendorf, aus dem Plattenbau an einen Campus voller linksalternativer westdeutscher Mittelschichtskids. Von einem mehrjährigen bekifften Nachmittag auf der Couch in eine endlose Spätschicht als Verkäufer im Esprit-Store am Ku'damm. In den Nachrichten Bankenrettung und Austerität, im Posteingang SMS von neuen Bekanntschaften, die zwar irgendwie interessiert wirken, von einem Freund oder Partner aber anderes erwarten als das, was er im Angebot hat: einen aufgepumpten Oberkörper, eine weggedrückte Vergangenheit im Nachwendechaos und das stetige Gefühl, sich auf einem Schlachtfeld bewähren zu müssen.Also heißt es weiterhin: zwei, drei Bier, sobald sich etwas im Inneren zu regen scheint, und wenn einer dumm kommt, muss man drauf. Und irgendwann die Frage, ob der Umzug nicht doch ein großer Irrtum war.
Rezensent Konstantin Nowotny bekommt mit dem neuen Roman von Hendrik Bolz ein Generationenpsychogramm der Millennials. Der Protagonist aus der Platte, ein Kraftsportler mit einem Faible für Rap trifft auf das "weiche" studentische Dasein an der Berliner Freien Universität in den Zehnerjahren. Für Nowotny der Bericht über einen Kulturschock, teils düster monologisch, teils sachlich die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit in den Blick nehmend. Dass der Roman weniger Brutalität abbildet als sein Vorgänger, konstatiert Nowotny mit Erleichterung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2026
Rezensent Bernhard Heckler trifft sich mit dem Autor Hendrik Bolz im Berliner Prinzenbad, der ihm direkt überaus sympathisch ist. Schon sein erstes Buch hat sich mit dem Aufwachsen in Ostdeutschland auseinandergesetzt, aber so gut, so universell, dass sich laut Heckler auch ein Bayer aus der "katholischen Kirchenjugend" darin wiederfinden kann. Der Protagonist des neuen Romans stammt wieder aus dem Osten, er nimmt in Berlin ein Studium auf, scheitert aber in diversen Belangen, so der Kritiker, die Interaktion mit den Kommilitonen läuft nach dem Motto "verachten und verachtet werden" ab. Er ist voll und ganz überzeugt von der "außergewöhnlichen literarischen Begabung" Bolz', das zeigt sich vor allem an den Szenen, in denen er die Nebenjobs beschreibt, mit denen sich sein Erzähler über Wasser hält. So schildert er seinen Job in einem Bekleidungsgeschäft so existenziell langweilig, dass es Heckler fast schlecht wird. Auch um die Prägung der DDR geht es, um die bis heute unterdrückten Gefühle, um die sozialen Zwänge, in denen die Figur aufgewachsen ist, die einiges mit ihrem Autor gemein hat. Das mag an Eribon, Ernaux und Louis erinnern, aber Bolz ist deutlich witziger als die Franzosen und obendrein deutlich weniger bereit, seine Familie als Material zu verwursten, was Heckler ihm hoch anrechnet. Auch um Kekse als Mittel der Langeweilebekämpfung im Job geht es: "Am geilsten schmecken die, wenn man sie über Nacht offen lässt, kleiner Tipp am Rande", so der Protagonist. Bolz möchte kein "Staatskünstler" sein, deswegen spielt Rechtsextremismus keine große Rolle in dem Buch, aber das Thema Ungleichheit ist ihm wichtig, verrät der Autor noch zum Abschluss des Gesprächs.
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