Weshalb ist auf Karten Norden immer oben? Ist die Türkei ein Teil Europas? Gibt es sieben oder fünf Kontinente, und worauf basiert diese Einteilung? Grenzen und Zuordnungen von Ländern und Meeren, die uns selbstverständlich und unverrückbar scheinen, sind in Wahrheit das Ergebnis geschichtlicher und geopolitischer Entwicklungen. Christian Grataloup hat sich in Weltkarten und Atlanten von der Antike bis heute auf Spurensuche begeben. Er zeigt, wie unterschiedlich Händler, Seefahrer und Kolonialherren die Welt betrachtet haben, und warum die Darstellung der Erde nicht so eindeutig ist wie gedacht.
Als "eines der schönsten Sachbücher des letzten Jahres" lobt Rezensent Stefan Reinecke den Band des Geografen Christian Grataloup. Darin lernt der Rezensent, dass geografische Grenzen vielmehr von historischen Konflikten und Konventionen geprägt sind als allgemein vermutet. So etablierte Diderot die Idee, die Grenze zwischen Europa und Russland am Ural zu ziehen, im Gegenzug zur finanziellen Hilfeleistung der russischen Zarin, entdeckt der Rezensent. Mit so einordnenden Texten und veranschaulichenden Bildern von frühen Karten, Satellitenbildern und Malereien sei Grataloup ein "Gesamtkunstwerk" gelungen, das die Geschichte der Kartografie nachzeichnet und aufdeckt, wie sehr sie von "Machtkonstruktionen" geprägt ist, lobt der Rezensent begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.01.2022
Rezensentin Katharina Döbler schätzt das Buch des Geografen und Historikers Christian Grataloup dafür, die Welt von den Füßen auf den Kopf zu stellen. Dass die Nord-Süd-Einteilung oder der Ural als Grenzen geopolitische Setzungen sind und die Dreiteilung der Welt vor Kolumbus in Asien, Afrika und Europa einem biblischen Mythos folgt, erfährt Döbler von Grataloup auf überzeugende Weise. Die "üppige" Bebilderung und die informative Kommentierung ergänzen alte und neue Perspektiven, freut sich die Rezensentin.
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