Anke Fischer-Kattner geht den Spuren nach, die präkoloniale Afrika-Reisende in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu Wissen schaffenden Publikationen hinterließen. Dabei zeigt sich schon in den veröffentlichten Texten, dass die reisenden Europäer ihre Erfahrungen nicht allein kontrollierten. Sozio-kulturelle Prägungen und Vorgängerpublikationen gaben den Reisenden Themen vor, die sie in ihren Darstellungen individuell variierten. Archivalisch erhaltene Aufzeichnungen der Reisen bieten ergänzende Einblicke in die konkreten Prozesse, in denen die Reisenden Erfahrungen zu Wissen verarbeiteten. Über theoretisch reflektierte Lesarten der erhaltenen Spuren von Selbst-Ver(un)sicherung gelingen schließlich Annäherungen an die Leerstelle der vergangenen Begegnung mit Fremden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2015
In "Spuren der Begegnung" untersucht die Historikerin Anke Fischer-Kattner die ersten Berichte europäischer Reisender in Afrika und kommt zu dem Schluss, dass die Postcolonial Studies zu vieles über den Kamm des aufkommenden Imperialismus scheren, berichtet Andreas Eckert. In weniger beachteten frühen Berichten - der Rezensent zählt James Bruce, Henry Salt und die Brüder d'Abbadie auf - sei die Bevölkerung noch stärker als Gegenüber mit eigenen Interessen und Ansprüchen wahrgenommen worden, erfährt Eckert. Das Buch fordert "ein gerüttelt Maß an Konzentration", warnt der Rezensent, aber es füge der gegenwärtigen Forschung eine willkommene Differenzierung hinzu.
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