Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2026 - Architektur

Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne, Außenansicht, Kandalama Hotel, Dambulla, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026, © Iwan Baan


Es ist kaum möglich, die Sinnlichkeit der Bauwerke des sri-lankischen Architekten Geoffrey Bawa hierzulande zu vermitteln, glaubt Quynh Tran in der FAZ. Aber einen Eindruck bekommt man schon in der Ausstellung, die das Vitra Museum in Weil am Rhein dem Vertreter der Tropischen Moderne nun gewidmet hat, so etwa im Mitte der Neunzigerjahre gebauten Kandalama Hotel, das heute als "Musterbeispiel für ökologisches und gemeinschaftsorientiertes Bauen" gilt: "Das gesamte Ensemble fügt sich nahtlos in die Landschaft ein. Aus der Luft ist zu erkennen, wie das Ufer des Kandalama-Reservoirs und die Felslandschaft die Anordnung bestimmen. Im Inneren zeigt sich, dass das Gebäude den Stein in seine Wände integriert und auf Stelzen steht, sodass Wasserlauf, Flora und Fauna nicht blockiert werden. Und Pflanzen wachsen auf Dächern, an Fassaden und in Räumen. Bawas Werk sei ein Entwerfen für 'ökologische Koexistenz', erläutert Shayari de Silva vom Geoffrey Bawa Trust, der an der Entwicklung der Ausstellung beteiligt war."

Weitere Artikel: Niklas Maak gratuliert dem Architekten Volkwin Marg in der FAZ zum Neunzigsten.
Stichwörter: Bawa, Geoffrey, Vitra Museum

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.10.2026 - Architektur

Nikolaus Bernau beklagt im Tagesspiegel, dass Berlin nicht mehr, wie einst, mit innovativen architektonischen Projekten von sich reden macht, sondern, ganz im Gegenteil, durch "reaktionäre Verkehrspolitik" und auch ansonsten durchweg durch Ewiggestriges glänzt. Besprochen wird die Ausstellung "Metaxy. Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau", die sich dem Wiederaufbau von Städten nach Kriegen und Naturkatastrophen widmet, in der Berliner Akademie der Künste (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2026 - Architektur

Josef Kaisers NS-Vorgeschichte ist weitaus weniger bekannt als seine Bauten für die DDR, informiert Peter Richter in der SZ anlässlich der Ausstellung "Josef Kaiser - Bauen für die DDR" in der Berlinischen Galerie. Opernsänger war er zwischendurch auch noch: "Nach dem 'Anschluss' trat er als Sudetendeutscher schnell in die NSDAP ein, ging nach Berlin und orientierte sich architektonisch eher an den Gegenspielern der Moderne. Trotzdem kann man in seinen Arbeiten für die Nazis mitunter schon Dinge ausmachen, die er später den DDR-Sozialisten zu bieten haben wird. Aber nach dem Krieg sucht er seine Zukunft doch erst einmal auf der Bühne und studiert in Dresden Operngesang. 1948 bekommt er ein Engagement als Erster Tenor in Berlin-Schöneberg, amerikanische Zone, muss sich dort aber erst einmal 'entnazifizieren' lassen. Kurz darauf wechselt er nach Frankfurt/Oder, sowjetische Zone, und kurz darauf will er doch lieber wieder Architekt sein und geht nach Ost-Berlin. Er wird dort schon aus politischen Gründen misstrauisch beäugt, bewährt sich aber schließlich - indem er ein Kulturhaus baut, für das er praktisch einen Entwurf aus seiner Nazizeit recyceln kann."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2026 - Architektur

Mit leuchtenden Augen, lediglich die ein oder andere Bauverzögerung bedauernd, aber kein Wort über Menschenrechte und Meinungsfreiheit vor Ort verlierend, stellt Roman Hollenstein in der NZZ all die opulenten Neubauten in Abu Dhabi vor, allen voran das Zayed-Nationalmuseum, "ein meisterhaftes Spätwerk von Norman Foster. Fünf solarthermische, dem Raumklima dienende 'Kühltürme', als 83 bis 123 Meter hohe 'Falkenflügel' gestaltet, bilden nun den weithin sichtbaren Fixpunkt des Kulturbezirks. Das sich wie eine kubistisch verfremdete Sanddüne aufwölbende Sockelgeschoss birgt in seinem Innern eine weitläufige Architekturlandschaft, die zum Flanieren in angenehmer Kühle einlädt. Unter glitzernden Oberlichtern und schwer hängenden Betonschalen gelangt man - vorbei an der stupenden Rekonstruktion eines 4000 Jahre alten Handelsschiffs - zu den Parterre-Galerien, wo die Anfänge der Vereinigten Arabischen Emirate und das Leben des VAE-Gründers und Landesvaters Zayed bin Sultan Al Nahyan zu einer filmreifen Geschichte verwoben sind."
Stichwörter: Abu Dhabi, Foster, Norman

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2026 - Architektur

Inzwischen siedeln mehr Menschen aus der Stadt aufs Land als andersherum, allein Berlin verlor 2025 12.000 Einwohner, weiß Niklas Maak in der FAZ. Und nun entdecken auch Architekten die Attraktivität des Landes: "Auch in so abgelegenen Orten wie dem gut eine Autostunde von Regensburg entfernten Blaibach im Bayerischen Wald nahe der tschechischen Grenze findet man wegweisende Architektur. Hier hat der Münchner Architekt Peter Haimerl eine neue Ortsmitte errichtet, der dem vergessenen Ort neues Leben gibt und auch urbanophile Bewohner anzieht. Zentrum seiner neuen Mitte ist ein archaisch-wuchtig, fast felsartig aussehender Betonsolitär, in dem ein Konzerthaus, ein Bürgerhaus und zwei weitere Bauten einen neuen Dorfplatz formen. ... Mit der Wiederbelebung der Dorfzentren und der neuen ruralen Architektur entsteht eine neue Ästhetik der intensivierten Naturwahrnehmung, die den Hausbewohner nicht mit absurden Dämmungen von der Umwelt abschottet wie den Fahrer eines vollklimatisierten SUV, sondern Jahreszeiten und Wetter, Haptik und Geruch von Land und Natur wieder erlebbar macht."
Stichwörter: Haimerl, Peter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2026 - Architektur

Keyvisual Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne, Außenansicht, Kandalama Hotel, Dambulla, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026, © Iwan Baan

Einen "Glücksfund ungeahnter Entdeckungen" macht Gabriele Detterer für die NZZ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein mit der Ausstellung "Geoffrey Bawa. Architekt für die Sinne". Geoffrey Bawa, "Pionier der tropischen Moderne", wurde 1919 auf Sri Lanka, damals Ceylon, geboren, weiß die Kritikerin. Bawa entwarf Bauten, die nicht nur modern waren, sondern auch den speziellen Wetterbedingungen in seiner Heimat standhielten, wie zum Beispiel dem starken Monsunregen. "Legendär" waren vor allem seine Hotelbauten, so die Kritikerin. Sein Prinzip lautete "Bauplatz und Landschaft vor der ersten Planungsidee genau zu erkunden, um die Architektur in die Topografie einzufügen. Dies galt auch für seine späten Entwürfe wie etwa den Hotelkomplex Kandalama (1991-1994). Hoch über einem See windet sich die Anlage um Felsenwände oder überdacht diese mit Terrassen. Üppige Flora umschlingt die Fassade und generiert einen kühlenden Effekt. Das großartige Bentota Beach Hotel (1966-1969) entstand im Rahmen der staatlichen Förderung des Tourismus, die in Sri Lanka in jenen Jahren ihren Anfang nahm. Der Entwurf der Hotelanlage erinnert an Corbusiers Klosteranlage La Tourette."
Stichwörter: Tropische Moderne

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2026 - Architektur

In der FAZ interviewt Arnold Bartetzky Anton Kolomieitsev, den Stadtarchitekten von Lemberg, zu der Frage, wie die Ukraine städtebaulich mit dem Krieg umgeht. Die an der Front und durch Bombardierungen Verletzten sind auf barrierefreie Städte angewiesen: "Alles, was wir planen, basiert auf den Prinzipien der Barrierefreiheit und des sozialen Gleichgewichts. Auf der praktischen Ebene geht es letztlich um viele kleine, koordinierte Schritte. Wir haben innerhalb von zwei Jahren alle Fußgängerüberwege barrierefrei gemacht und bauen unter Hochdruck die Bushaltestellen um. Wir erhalten das historische Kopfsteinpflaster, das in Lemberg weit verbreitet ist, schleifen aber die Oberfläche, sodass es kein Hindernis mehr für Rollstuhlfahrer ist. Daran beteiligen sich finanziell die Gastronomen, die davon profitieren. Es gibt auch Entwicklungen, die uns selbst überraschen. So haben wir entdeckt, dass Boule sehr gut für den Rehabilitationsprozess ist. Seitdem legen wir die Boule-Plätze direkt an den Krankenhäusern an. Für viele Kriegsverletzte ist Boule der Anreiz, nach ihrer Behandlung erstmals wieder an die Luft zu gehen."
Stichwörter: Stadtplanung, Ukraine-Krieg

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.09.2026 - Architektur

Niklas Maak besichtigt für die FAZ die drei Neubauten Peter Zumthors für die Fondation Beyeler: Mit dem Betonklotz, der sich als das neue, nach dem Sponsor benannte Wyss-Museum herausstellt, kann er nichts anfangen. Dann gibt es noch einen Logistik-Kubus und den Ammann-Pavillon, den Maak ganz zauberhaft findet: "Der verglaste Flachbau ist öffentlich zugänglich; anders als in den beiden Museumsbauten muss kein Eintritt gezahlt werden. Im Inneren treppt sich der Boden in mehreren Plateaus zur Bühne herab, wo am Besichtigungstag ein Pianist den Zweiten Satz, das Allegretto aus Beethovens 7. Sinfonie spielte. Die Stufen des Pavillons können für Konzerte oder Lesungen bestuhlt werden, außerhalb des Programms stehen aber Tische und Sofas bereit, so dass der Pavillon von Besuchern und Anwohnern als großes 'kollektives Wohnzimmer' genutzt werden kann, wie einst die Hansa-Bibliothek von Werner Düttmann in Berlin. Zumthor ist mit dem Ammann-Pavillon eine Antwort gelungen auf die Frage, in welchen Räumen sich eine Gesellschaft versammelt, in der durch die Digitalisierung Arbeit und das Leben mit Familie und Freunden neu organisiert werden kann." Bei monopol schwärmt Silke Hohmann von den drei Neubauten.

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In "Bilder und Zeiten" (FAZ) stellt Andreas Platthaus eine Buchreihe vor, deren erster Band, zur Architektur Rotterdams, Jugendlichen ihre Stadtgeschichte nahe bringen soll. Dazu wird das Buch kostenlos an Schulen verteilt: "'Metro 010' heißt es (nach der Telefonvorwahl von Rotterdam), und beim Aufblättern könnte man es für einen Comic halten, denn der Großteil besteht aus einer Stadtgeschichte Rotterdams, die als gezeichnete Zeitreise zweier junger Protagonisten erzählt wird. 'Aber das Projekt ist viel mehr als eine Graphic Novel', korrigiert Schindler. Das fängt damit an, dass sie als Koordinatorin und Gestalterin des Buchs gleich zwölf Illustratoren auf einmal gewonnen hat, um eine große Stilbandbreite zu bekommen und damit für jeden Geschmack etwas zu bieten. Diesen Zeichnern wies sie dann jeweils eine Episode zu, deren historisches Setting zu ihren grafischen Vorlieben passte. Und die Ausweitung des Konzepts einer Graphic Novel findet ihre Fortsetzung im Bemühen, so viele Erzählformen wie möglich zu bieten. 'Metro 010' besteht deshalb neben den Comic-Kapiteln aus historischen Abrissen, Stadtplänen, Fotostrecken, Gedichten und ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Faktenhäppchen." Für Berlin war übrigens auch so ein Buch geplant worden, wurde aber aus Kostengründen wieder abgesagt, bedauert Platthaus.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.09.2026 - Architektur

Das erweiterte Ensemble der Fondation Beyeler, Erlen Torhaus, Wyss Museum und Ammann Pavillon von Atelier Peter Zumthor. Alexander Calder, The Tree, 1966 Fondation Beyeler, Riehen/Basel© 2026 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS) New York, Foto: Iwan Baan

Für die Zeit trifft Sven Behrisch den Schweizer Architekten Peter Zumthor, der in Riehen bei Basel eine Erweiterung der Fondation Beyeler gebaut hat. Drei neue Ausstellungsgebäude hat er "wie ein Gärtner zwischen den Bestand gepflanzt", so Behrisch. Die Natur spielt bei ihm tatsächlich eine große Rolle, lesen wir: "Für das Museum in Riehen hat Zumthor, um die alten Bäume zu schonen, eines der Gebäude um einen Ginkgo herumgebaut und ihm wie zum Gruß ein Fenster in die wuchtigen Wände aus Stampfbeton gesetzt." Zumthor "zeigt das über Eck gebaute Ausstellungshaus, das aus dem Park ragt wie die Felsformationen des nahen Jura, den gläsernen Pavillon, dessen Blickachsen die vorher getrennten Teile des Parks verbinden, und ausführlich redet er über eine Natursteinmauer, die er verlängerte. Warum die aus Naturstein sein muss, wenn sie danach verputzt wird, frage ich ihn, darunter sehe man den Stein doch gar nicht mehr. 'Stimmt', sagt er und schaut mich an, als hätte ich etwas sehr Kluges oder etwas außerordentlich Dummes gesagt. 'Sie sehen ihn nicht, aber ich fühl den da drunter.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2026 - Architektur

Die Posener Synagoge droht zu verfallen, obwohl sie ein bedeutender Erinnerungsort für die Geschichte der preußischen Juden ist, prangert die Kulturhistorikerin Agnieszka Pufelska in der NZZ an. Von den Nazis wurde das prachtvolle Gebäude 1940 entweiht und in ein Schwimmbad umgewandelt, das bis Anfang der 2000er-Jahre Bestand hatte, Pläne der jüdischen Gemeinde für ein Museum konnten aus Kostengründen nicht erfüllt werden: "Während Nutzungskonzepte wechseln und Investoren kommen und gehen, verschlechtert sich der bauliche Zustand von Jahr zu Jahr. Heute wirkt der Verfall wie ein eigenes Erinnerungskonzept. Offiziell fordert niemand das Abreißen. Doch je länger die notwendige Sanierung ausbleibt, desto leichter wird sich dafür argumentieren lassen, dass eine Rettung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei. Die Zeit vollzieht, wozu sich die Politik bislang nicht offen bekennt: Die Erinnerung an die Posener Juden besitzt weder in Polen noch in Deutschland Priorität. Mit der ehemaligen Synagoge würde einer der wenigen Orte verschwinden, an denen sich die Geschichte der preußischen Provinzen noch in ihrer ganzen Komplexität ablesen lässt. Wenn heute von Posen oder Westpreußen die Rede ist, dominieren Erzählungen über deutsche Kulturlandschaften. Weniger sichtbar ist, dass diese Regionen zugleich von Polen, Juden und anderen Gruppen geprägt wurden."
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