Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Oktober 2026

Vertrauen ins Vertraute

07.10.2026. Für die SZ unternimmt Marko Martin einen Streifzug durch die tschechische Literatur des 20. Jahrhunderts, die uns so viel für die Gegenwart lehrt. Achtung, die Influencer kommen: Backstage Classical sorgt sich mit Blick auf eine anstehende Programmreform um die Qualität der Klassik-Formate der Öffentlich-Rechtlichen. Abgründige Naturbilder mit KI-Input betrachtet die taz in einer Berliner Ausstellung; unter anderem gibt es brennende Eisberge zu bewundern. critic.de empfiehlt eine Nürnberger Retrospektive, die sich dem Regisseur Alfred Vohrer widmet - und damit einem Werk zwischen Geisterbahn und Fetischalbtraum.

An Schönheiten herrschte kein Mangel

06.10.2026. Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an Shida Bazyar und ihren Roman "Die Lücken": Ihr ist eine "Neudefinition des Heimat-Romans" gelungen, jubeln Jury und Kritiker gleichermaßen. Die FAZ stellt den russischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky vor, dessen Roman "Die Registrierung" eine heftige Debatte in Russland auslöste. Die taz staunt in Magdeburg über Sean Scullys Schwarz mit gelber Vorgeschichte. Die NZZ feiert in einer Ausstellung in Weil am Rhein den Architekten Geoffrey Bawa als Pionier der tropischen Moderne. 

Es stürzen die Bücher, es fallen die Bilderrahmen

05.10.2026. Soll man Filme nachträglich bearbeiten, diskutiert die Deutsche Kinemathek im Anschluss an die Debatte um Wim Wenders und Nastassja Kinski. Die SZ erzählt, wie die Tech Bros unliebsame Filme bekämpfen. Die tschechische Kunstszene sieht sich Gefahren von rechts ausgesetzt, weiß Monopol. Der ukrainische Städtebau setzt wegen der vielen Kriegsverletzten auf Barrierefreiheit, weiß die FAZ. Für die Welt würden KI-geschriebene Bücher der Literatur ihre Grundlage als raum- und zeitüberdauerndes Gespräch entziehen.

Herzlichen Glückwunsch dazu, Vaterland

02.10.2026. FAS und Welt bemerken eine schleichende Isolation jüdischer und israelischer Stimmen in den Buchverlagen. In der FAZ ruft der tschechische Lyriker Petr Hruška uns ermunternd zu: "Lyrik ist eine erregende Art, die Welt nicht zu verstehen." Die taz staunt über einen Pop, der Antisemitismus in Gute-Laune-Beats verpackt. Die SZ trifft den Musiker Danger Dan, der sich mittlerweile vor Antisemiten verstecken muss. Die Welt fragt sich, wie abstrakte Kunst zum Wohlfühlmittel für alle werden konnte. Der Filmdienst feiert Doris Dörrie.

Epistemischer Hohlraum

01.10.2026. Die Feuilletons diskutieren über die umstrittene Doku "NAZA" von Yuval Abraham und Rachel Szor: Der FAZ fehlt eine kritische Einordnung, die Welt findet ihn zynisch, die Zeit lässt Eva Menasse und Philipp Peyman Engel darüber streiten. FR und FAZ staunen in der Frankfurter Schirn über Anna Hulačovás ökofeministische Kunst, die in Kollaboration mit Bienen entstand. In der taz fragt der Schriftsteller Clemens Böckmann, warum keine Wenderomane aus westdeutscher Perspektive geschrieben werden. 
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