Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Während einer Demonstration stoßen sie in einem Metroeingang zufällig zusammen, Margaret Le Coz und Jean Bosmans. Sie, geboren in Berlin als Tochter einer französischen Mutter, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, er schreibt an seinem ersten Roman. Die beiden werden für kurze Zeit ein Liebespaar. Bis Margaret Hals über Kopf aus Paris flieht. Vierzig Jahre später spürt Bosmans dieser verlorenen Liebe nach. Was ihm bleibt sind seine Erinnerungen und eine konkrete Spur, die in eine Berliner Buchhandlung führt. Patrick Modianos neues Buch ist die Geschichte eines jungen Paares in den unruhigen sechziger Jahren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013
Etwas ratlos schreibt Samuel Moser über Patrick Modianos nun in deutscher Übersetzung erschienenen Romans "Der Horizont". Ein "schwer durchschaubares Meisterwerk" sieht er vor sich, verworren und vieldeutig in jeglicher Hinsicht. "Der Horizont" erzählt die Geschichte des Schriftstellers Jean Bosmans und seiner Liebe Margaret Le Coz, die sich während einer Demo auf der Place de l'Opéra im Paris der siebziger Jahre in die Arme laufen, doch es handelt sich, so findet Moser, um eine Liebe ohne Geschichte, eine Wirklichkeit ohne festes Gefüge und klare Erinnerungen. So hangelt sich der Rezensent an den seiner Ansicht nach wenigen sicheren Aussagen entlang, die sich über den Roman treffen lassen: In Bosmans meint er, eindeutige autobiografische Bezüge zum Autor zu erkennen. Und bei ihm kommt der Verdacht auf, dass Modiano mit der flüchtigen Liebesgeschichte sowohl seinem Protagonisten als auch dem Leser die Lektion erteilen will, "dass zwei Haltlose aneinander nicht Halt finden können."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.08.2013
Einen Meister der scharfen Kontur, des Einfachen, zugleich des Rätselhaften nennt Joseph Hanimann Patrick Modiano. Zu besichtigen auch im neuen Roman des Autors, der Hanimann in der "bewährten" Übersetzung von Elisabeth Edl Vergangenheit und Gegenwart, Paris und Berlin in angenehmer Einheit vorstellt, ganz ohne Nostalgie. Die Erinnerung eines Schrifstellers an seine Jugend vor 40 Jahren gestaltet sich laut Rezensent deshalb so lesenswert, da dem Autor das Kunststück gelingt, das Gewesene in seiner Zunkunftsträchtigkeit einzufangen, beziehungsweise in seiner Bedeutung für das Jetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2013
Katharina Teutsch liest Modiano genau und stellt fest: Dieser Autor ist nicht einfach der romantisierende Poet des Sentiments, der den Leser mitnimmt in das Paris der 60er Jahre. Der Autor als Madeleine, als Medium, durch das die Erinnerungen gehen wie durch Butter, ist Patrick Modiano für Teutsch nur bedingt. Hinter dieser Komfortlesart aber entdeckt die Rezensentin das eigentliche Verführungspotenzial von Modianos Prosa. Offenbar wird für Teutsch etwas komplex Psychotisches, hier: die Verfolgung der Hauptfigur durch verschiedene Personen und die Frage, ob man als Leser wirklich mit Modiano im alten Paris gewesen ist oder doch bloß in einer Berliner Buchhandlung.
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