1906: Im Oberwalliser Dorf Visperterminen herrscht große Not. Die Armut und andauernde Trockenheit zwingen viele, auszuwandern, so auch die Brüder Gustav und Alphons Briggeler, die als Melker nach Bad Kudowa in Schlesien gehen. Dort heiraten sie die Schwestern Anna und Elisabeth, Jahre später kehren die jungen Familien ins Wallis zurück. Die Aussichten, hier gut leben zu können, haben sich verbessert, mittlerweile wurde ein Stollen gebaut, der das Bergdorf mit Wasser versorgt.Als Anna unerwartet stirbt, ist Elisabeth die einzige Fremde im Dorf. Die Terbiner grenzen sie aus, nennen sie "die Titscha". Gustav und Elisabeth kämpfen sich durch, trotz Außenseiterstatus, wenig Geld und eines schlimmen Unfalls, der ihren Arbeitsalltag für immer beeinträchtigen wird.Odilo Abgottspons Grossmutter Elisabeth wird zur zentralen Figur in diesem Lebensroman einer Familie über mehrere Generationen. Abgottspon beschreibt die harte Arbeit, die Not und Angst, aber auch den Zusammenhalt und die alltäglichen Freuden. Und zeichnet die Veränderungen nach, die das Dorf während fast hundert Jahren erfahren hat.
Wer sich fürs Wallis interessiert, wird dieses Buch gern lesen, glaubt Rezensent Tobias Lehmkuhl. Odilo Abgottspons "Lebensroman" vermischt Elemente des Sachbuchs mit einer Fiktion, teils wechselt er innerhalb einzelner Absätze zwischen dokumentarisch recherchierten und ausgedachten Passagen. Die Handlung spielt im - real existierenden - Dorf Visperterminen, Zeit der Handlung ist das frühe 20. Jahrhundert. Ziemlich arm war die ländliche Schweiz damals, Visperterminen litt unter Wassermangel, unter anderem geht es um einen Tunnelbau, der dieses Problem beheben soll. Die "Titscha" des Titels ist eine Deutsche, die es ins Wallis verschlägt, wie alles Fremde wird sie misstrauisch beäugt; während andere Dorfbewohner gezwungen sind, ins Ausland zu gehen. So richtig funktioniert die Mischung aus Sachbuch und Roman nicht, findet Lehmkuhl, einerseits mangelt es an psychologischer Tiefe, andererseits an einer weitergehenden historischen Einordnung der Dorfgeschichte. Nichts Halbes und nichts Ganzes also? So hart geht Lehmkuhl mit dem Buch doch wieder nicht ins Gericht, als "Heimatliteratur, die sowohl informieren als auch ein Gefühl für die raue Vergangenheit vermitteln will", liest er das alles doch recht gern.
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