Aus dem Finnlandschwedischen von Paul Berf. 1952 ist ein denkwürdiges Jahr in der finnischen Geschichte: In Helsinki findet die Olympiade statt, Coca-Cola wird auf den Markt gebracht, und die finnische Schönheitskönigin Armi Kuusela wird Miss Universum. Der junge Werner Skrake, gerade von einem Studienaufenthalt in den USA zurückgekehrt, erhält den ehrenvollen Auftrag, am Tag der Markteinführung einen der Coca-Cola-Wagen zu fahren, bringt sich und seine Nachfahren jedoch für immer in Verruf, als er von der Straße abkommt und seine gesamte kostbare Last zu Bruch geht, was in allen großen Zeitungen bildlich festgehalten wird. Werners Sohn Wiktor Juri Ansgar - benannt nach dem Kosmonauten Gagarin und Ich-Erzähler dieses Romans - muss sich noch Jahrzehnte später spitze Bemerkungen über den Vorfall anhören. Er selbst fasst das Leben seines Vaters gerne mit dem Begriff "metjty" zusammen, was im Finnlandschwedischen bedeutet, "in allem, was man sich vornimmt, zu scheitern, eine Fähigkeit, die nicht mehr und nicht weniger als ein Schicksal ist".
Für Stephan Opitz ist Kjell Westös zweiter Roman eine "Entdeckung". In die Familiengeschichte der Skrakes, die weit ins 19. Jahrhundert hinein geschildert wird, flicht der finnische Schriftsteller "mit langem Atem" Erzählungen aus dem schwedischsprachigen Teil des Landes ein, bis daraus in den Augen des Rezensenten ein "großes Kunstwerk" entsteht. Kestö entreiße so "ein ganzes Farbenspektrum" an überlieferten Geschichten dem Vergessen und mache daraus ein liebenswertes Buch mit eigenwilligem finnischen Humor. Wie die Hauptfigur Werner Skrake den ersten Colalaster Finnlands an den Baum setzt oder mit einem Weltklasse-Hammerwurf den Bischof erwischt, hat Opitz offenbar zum Schmunzeln gebracht. Die Übersetzung von Paul Berf ist "schön und adäquat", jedoch würde Opitz "öring" mit Meerforelle und nicht mit der heute an Aquakulturen gemahnenden Lachsforelle übersetzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2005
Sehr zufrieden mit dem finnlandschwedischen Autor Kjell Westö zeigt sich Anna Katharina Dömling. Der Familienroman "Vom Risiko, ein Skrake zu sein" lässt sich auch lesen als eine "Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert", meint die Rezensentin. Die bestimmenden Themen des Werks sind die "Relativität der Geschichte" und die "Manipulation der Erinnerung", so Dömling, aber auch das alte Vater-Sohn-Motiv kommt zwischen Lachsforellenfischfängen und melancholischen Aufenthalten im "Cafe an der Ausfallstraße" zu seinem Recht, denn immerhin ist der Vater Wiktors, des Helden, dadurch berühmt geworden, dass er es geschafft hat, Coca Cola in den 50ern in Finnland nicht auf dem Markt zu etablieren. "Nachdenklich" wird das alles berichtet, schreibt die Rezensentin, und "mit leisem Humor".
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