Deutsch-britische Pressekriege begannen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das Gefüge von Öffentlichkeit und Diplomatie zu destabilisieren. Und so waren auch die internationalen Beziehungen seither geprägt durch den Wandel von politischer Kommunikation, Medienstrukturen und Informationstechnologie. Wie reagierten Diplomatie und Politik auf das neue mediale Umfeld? Welche Auswirkungen hatte das Zusammenspiel der Presse mit anderen Teilbereichen von Öffentlichkeit wie Parlamenten, politischen Parteien, Verbänden und Straßendemonstrationen? Welche Effekte hatte die beschleunigte globale Kommunikation auf die Funktionsfähigkeit etablierter Abstimmungsmechanismen? Dominik Gepperts Buch gibt systematische, quellengestützte Antworten auf diese zentralen Fragen nach dem Wesen der Außenpolitik im Zeitalter der Massenöffentlichkeit. Es erweitert die Forschungen zum deutsch-britischen Verhältnis in der wilhelminischen Epoche um die zentrale Dimension der Pressebeziehungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2008
Dominik Gepperts Buch über die Auseinandersetzungen zwischen der deutschen und der britischen Presse zwischen 1896 und 1912 hat Rezensent Alexander Menden rundum überzeugt. Es schließt für ihn eine Lücke in der Untersuchung der englisch-deutschen Beziehungen. Schon der Überblick über die unterschiedlichen Presselandschaften in beiden Ländern scheint ihm überaus instruktiv. Besonders interessant findet er in diesem Zusammenhang die Ausführungen über Rolle und Bedeutung des journalistischen Standes in Deutschland und Großbritannien. Ausführlich geht er auf die Darstellung des "Pressekriegs" ein, der auf das sogenannte "Krügertelegramm" folgte. Er bescheinigt Geppert imponierende Quellenkenntnisse, dank derer der Autor eine Fülle von erhellenden Beispielen ausbreiten könne. Insgesamt vermittelt das Buch nach Ansicht Mendens nicht nur einen hervorragenden Einblick in die verschiedenen Pressekulturen und die zunehmende Bedeutung der Massenmedien, sondern auch die "komplexen Anziehungs- und Abstoßungsvorgänge" zwischen England und Deutschland um die Jahrhundertwende.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008
Rezensent Gottfried Niedhart begrüßt diese Untersuchung der deutsch-britischen Pressefehden vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914, die Dominik Geppert vorgelegt hat. Im Blickpunkt sieht er die Rolle der Massenpresse in den internationalen Beziehungen zwischen Deutschland und England. Er schätzt die klare Darstellung der jeweiligen nationalen Öffentlichkeit und deren "mediale Interaktion". Deutlich wird für ihn, wie die von Ressentiments und Stereotypien getragene Berichterstattung von beiden Seiten zur "mentalen Aufrüstung und zur kulturellen Konfrontation" (Geppert) beigetragen haben. Allerdings bezweifelt er, dass die Diplomatie von der Massenpresse wirklich umgeformt wurde. Zwar berührten sich Diplomatie und Öffentlichkeit immer wieder, so Niedhart, aber oft - wie Geppert es auch darstelle - liefen sie unverbunden nebeneinander her.
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