Aus dem Englischen von Horst Brühmann. Sprache dient der Verständigung. Doch immer wieder hat es Menschen gegeben, die nicht wollten, dass alle sie verstehen. Deshalb haben sie Geheimsprachen entwickelt. Daniel Heller-Roazen unternimmt in seinem Buch einen Streifzug durch die Geschichte der künstlichen und geheimen Sprachen. Von den Sprachen der Gauner, den heiligen Sprachen bis zur Beschäftigung des großen Sprachforschers Ferdinand de Saussure mit Anagrammen, von der arkanen Sprachkunst der Druiden und Bibelkopisten bis zu Tristan Tzara, der die Dada-Bewegung mitbegründete und zuletzt die Lieder von Villon zu entschlüsseln meinte, erkundet Heller-Roazen die Sprachkunst von Gaunern und von Rätselfreunden und zeigt: Diese Sprachen, die Klang und Sinn gegeneinander ausspielen, verbindet mehr mit der Poesie, als bislang angenommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2018
Rezensent Wolfgang Krischke verdankt diesem Buch des in Princeton lehrenden Komparatisten David Heller-Roazen zwar einen "flüssig" geschriebenen Streifzug durch die Geheimsprachen, insgesamt gerät ihm das Werk, das der Kritiker eher als Essay-Sammlung versteht, aber doch zu wenig kohärent. Die Gaunersprachen, etwa das französische Argot, das deutsche Rotwelsch oder das englische Cant, kann ihm der Autor zwar mit Blick auf die Strukturen näher bringen, eine vergleichende Betrachtung vermisst der Rezensent allerdings. Weshalb sich Heller-Roazen zudem bald den Geheimsprachen der altfranzösischen Trobadors, der nordischen Skalden oder der brahmanischen VedeRezitatoren widmet, wird dem Kritiker nicht ganz deutlich. Dass der Autor im zweiten Teil seines Buch, das die Geschichte der Erforschung der Geheimsprachen untersucht, neuere Erkenntnisse zur Biografie de Saussures ebenso fehlen lässt, wie er klare Urteile über Tristan Tzaras Anagramm-Erkenntnissen meidet, findet Krischke bedauerlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2018
Rezensentin Eva-Maria Engelen hat sich von Daniel Heller-Roazens Buch "Dunkle Zungen" gerne ins Reich der Geheimsprachen, Slangs und Poesie entführen lassen. Angefangen bei altgriechischen Schriften bis hin zu Tristan Tsara hat der Autor die Rezensentin gelehrt, das vordergründig Hermetische zu schätzen. Denn erstens hat Heller-Roazen ihr gezeigt, dass Sprache weit mehr ist als ein Kommunikationsinstrument - auch reine Kreativität lässt sich an ihr offensichtlich entfalten. Und zweitens hat die Rezensentin den Beobachtungen, die der Autor beispielsweise zum Rotwelsch anstellt, entnehmen können, dass Sprachvariationen der "Selbstvergewisserung und Selbstermächtigung dienen". Sie empfiehlt das Buch deshalb wärmstens, wenn sie die Übersetzung von Horst Brühmann auch nicht durchweg gelungen finden kann.
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